Philipp IV von Frankreich, "der Schöne" und seine Erben

Weiter in unseren Studien um gruselige Persönlichkeiten. Einer derer, der bei Rudolf Steiner schon deshalb sehr schlecht wegkommt, weil dieser ja die Vernichtung des Templer- Ordens und dessen spirituellen Impulsen (Steiner vergisst dabei die Erpressung und Vertreibung der französischen Juden) im letzten Sorat- Impuls zu verantworten hatte, war Philipp IV. Nach Steiner war Philipp krankhaft getrieben von Goldgier:

"Denn in der Zeit, in welcher der Templerorden durch seine Tätigkeit zu großem Ansehen und auch zu großem Reichtum – als Orden, nicht als einzelne Templer – gekommen war und sich ausgebreitet hatte auch über den Westen Europas, in dieser Zeit des ausgehenden 13., des beginnenden 14. Jahrhunderts, da haben wir im Westen herrschend einen Mann, eine menschliche Persönlichkeit, welche, man kann geradezu sagen, in der Seele eine Art Begeisterung empfand durch die moralische Macht oder respektive unmoralische Macht des Goldes; eine Persönlichkeit, die geradezu in einseitiger Weise die Vermaterialisierung der Weisheit aus dem Golde heraus zu ihrer Inspiration bilden konnte. Eine hochbegabte, mit außerordentlicher, mit höchster Klugheit ausgestattete Persönlichkeit ist zugänglich dieser Inspiration durch das Gold mit geradezu ärgster ahrimanischer Weisheit. 

Philipp IV. der Schöne kann geradezu ein genial-habsüchtiger Mensch genannt werden, ein Mensch, der den instinktiven Drang in sich verspürte, nichts anderes anzuerkennen in der Welt als das, was mit Gold aufgewogen werden kann, und niemandem wollte Philipp der Schöne eine Macht über das Gold zugeste- hen als nur allein sich selber. Als er einen letzten Versuch machte, möglichst wenig Gold und Silber den Münzen beizumischen, er sich, durch eine Volksempörung veranlaßt, in die Tempelstätte der Templer flüchten mußte. Da hatte er bei den Templern, durch seine Gewaltmaßregeln (und deren Folgen) dazu veranlaßt, seinen Schatz, seinen Goldschatz verbergen lassen. Er war erstaunt, wie schnell die Templer den Volksaufruhr beruhigen konnten. Aber er war zu gleicher Zeit von Furcht erfüllt, weil er gesehen hatte, wie groß die moralische Macht der Templer über das Volk war, und wie wenig er, der nur vom Golde inspiriert war, vermochte gegenüber der mora- lischen Macht der Templer, die dazumal auch schon reiche Schätze hatten, die ungeheuer reich waren, aber nach ihrer Ordensregel allen Reichtum ihres Ordens in den Dienst geistigen Wirkens, geistigen Schaffens stellen mußten. 

Wenn eine Leidenschaft so stark wird, wie bei Philipp dem Schönen die Gold- und Silbergier war, dann preßt sie in der menschlichen Seele starke Kräfte aus, Kräfte, die einen starken Einfluss haben auf die Willensentfaltung gegenüber den übrigen Menschen. Beim Volke hatte Philipp der Schöne wenig Einfluß; um so mehr aber bei denjenigen, die seine Kreaturen waren, und das war denn doch ein großes Heer. Eine völlige Kreatur in den Händen Philipps des Schönen von Frankreich war der Papst Clemens V., der vorher Bischof von Bordeaux gewesen war und dann in Avignon residierte, der nach und nach durch den gewaltigen Willen Philipps des Schönen so weit gekommen war, dass er gar nicht mehr einen eigenen Willen hatte, sondern wirklich seine kirchliche Gewalt nur dazu verwendete, um Philipp dem Schönen zu dienen, allem, was Philipp wollte. Und Philipp der Schöne wollte vor allen Dingen, wie aus einer tiefen Leidenschaft heraus, sich zum Herren aller Reichtümer, die damals verfügbar waren, machen. Kein Wunder, dass er – vor allem, nachdem er gesehen hatte, welch andere Bedeutung das Gold auch haben kann in anderen Händen – vor allen Dingen diese anderen Hände vernichten wollte, die Hände der Templer, um ihr Gold zu erbeuten." 171.120ff

Diese Darstellung Rudolf Steiners bleibt aber doch etwas einseitig, denn Philipp war durchaus ein bedeutender Staatsmann, von der heutigen Perspektive aus betrachtet. Er schuf - in dauernder, ebenfalls "modern" anmutender Verschuldung - erst den modernen Staat, einschließlich der damit verbundenen Gerichtsbarkeit. Er beendete damit die klerikale und adelige Zersplitterung in Partikular- Interessen. Er gründete auch staatliche Universitäten und formierte ein neue Klasse, das Bürgertum. Schließlich schuf er ein - wenn auch übel angesehenes- staatliches Finanzsystem:

"Philipp war seine gesamte Regierungszeit - bedingt durch sein hohes außenpolitisches Engagement - mit finanziellen Lasten verbunden, die ihn ständig dazu zwangen, neue Einnahmequellen zu erschließen. Dabei griff er neben Steuererhöhungen und der Besteuerung des Adels und des Klerus in besonderen Maßen auf Verringerungen des Edelmetallgehaltes neu geschlagener Münzen und auf mehrfach vorgenommene Entwertungen älterer Münzen zurück. Mittels polizeistaatlicher Mittel zwang er seine Untertanen dazu, seine schlechten Münzen zu benutzen, was ihm den Ruf eines „Falschmünzerkönigs“ eintrug. 

Im Gegenzug führte diese Politik zu einem Bedeutungsverlust der Münzen des Adels und der Bischöfe, die einst ihr Münzrecht von der Vergabe königlicher Privilegien seitens Philipps Vorgänger bezogen und damit ihre wirtschaftliche Stärke begründet hatten. Im letzten Jahr seiner Regierung formierte sich deshalb der Adel in denjenigen Provinzen, welche sich gegen diese Eingriffe der Krone in die Münze und gegen die immer höhere Besteuerung auch mit Waffengewalt zu Wehr zu setzen bereit war. Im Zusammenhang mit der Gewinnung neuer Finanzmittel steht auch, neben der Zerschlagung des Templerordens 1307, die 1306 vorgenommene Ausweisung von über 100.000 Juden aus Frankreich und der damit einhergehenden Enteignung ihres Vermögens. Erst Philipps Sohn gewährte ihnen die Rückkehr. Gleiches wiederholte er in den Jahren 1309 bis 1311 mit den „Lombarden“, das heißt den italienischen Kaufleuten und Bankiers. Letztlich hatten all diese Maßnahmen keinen Erfolg, seinem Nachfolger hinterließ Philipp eine leere Kasse." (Wikipedia)

Die persönliche Darstellung Philipps durch Steiner reduziert dessen Besessenheit durch finanzielle Interessen auf ein persönliches Problem, was ich nicht abstreiten möchte. Aber man neigt dazu, dabei die Bedeutung Philipps zu unterschätzen. Er hat maßgeblich die staatlichen Systeme geschaffen, in denen wir heute leben, mit den Vorteilen systemischer Art wie unabhängiger Gerichtsbarkeit und Bildung. Wir profitieren daher heute selbst von der Vernichtung des international agierenden Templer- Ordens; wir sind in dieser Hinsicht Philipps Erben.

Kommentare

  1. "Die persönliche Darstellung Philipps durch Steiner reduziert dessen Besessenheit durch finanzielle Interessen auf ein persönliches Problem, was ich nicht abstreiten möchte. Aber man neigt dazu, dabei die Bedeutung Philipps zu unterschätzen."

    Jemanden zu verteidigen, der bestialische Folterung (der Templer) einsetzt, um sogenannte Geständnisse zu erpressen, halte ich doch für sehr gewagt. Dann ließe sich sicherlich auch etwas finden, um Hitler oder Mussolini in einem besseren Licht erscheinen zu lassen.

    hr

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    1. Da wird nichts verteidigt und nichts beschönigt. Aber das hat nichts mit der Bedeutung Philipps zu tun, so weit ich das als Laie beurteilen kann. Die Organisation des frz Staates und damit einer Entwicklung, die bis heute international anhält, weist auf ihn zurück. Offenbar gibt es in dieser Hinsicht jetzt, Beispiel EU, neue Organe.

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