Grundriss von Templerkirchen

Hier ein Hinweis auf eine Historiker- Seite von Gordon Napier bei Blogspot, auf der sich unter anderem Pläne und Hinweise auf die zentralen Templer- Kirchen in London und Paris finden.

Bild auf der genannten Seite von Gordon Napier
Die Londoner Kirche besteht - wenn auch um- und ausgebaut- noch heute. In ihr finden sich verschiedene bekannte Gedenkorte und voll ausgestattete Figuren von Templern. "The oldest part of the church is the rotunda, which was begun in the 1160s, and which was consecrated to the Blessed Mary in 1185 by Heraclius, the visiting Patriarch of Jerusalem", schreibt Gordon, und in der Tat ist die Rotunda, dieser sowohl ursprünglichste wie mit der Zentralkirche in Paris übereinstimmende Teil ein Hinweis auf spezifische Einweihungsrituale des Ordens- etwa in der Art, wie sie Judith von Halle in ihrem ersten Templer- Buch* geschildert hat.

Gewiss sind diese Mysterien - vor allem das Morgenritual - von ihr in kitschigem und höchst spekulativem Kontext dargestellt, auch in ihrer Tiefe wie unbeteiligt, wie von einem Moderator, geschildert, gewiss verortet sie das Ganze in einem von ihr - und nur von ihr- mystifizierten geheimen Ort in den Pyrenäen, aber abgesehen von dem typischen Ghostbuster- Zeug von ihr scheint die Darstellung der Initiation selbst, für die es keine historischen Quellen außer den völlig verzerrten Protokollen der Ankläger und Folterer gibt, ziemlich stimmig zu sein. Ich denke, es ist wahrscheinlicher, dass es tatsächlich einige zentrale Kirchen für diese Rituale - wenn sie denn existiert haben sollten- gab, dass diese aber vor allem in den zentralen Stätten des Ordens gelegen waren. Aber das wäre wohl für Frau von Halle nicht "geheimnisvoll" genug gewesen.

Die Londoner Kirche ist im Laufe von Hitlers "Blitzkrieg" stark beschädigt und restauriert worden. Die Rotunde hat zweifellos ihr Urbild in der Grabeskirche in Jerusalem. Bei Wikipedia kann man auch diese Konstruktion ansehen und mit den Templer- Bauten vergleichen.

Auch Napier nimmt im genannten Artikel an, dass es neben dem Urbild der Grabeskirche rituelle Gründe für die Rundbauten gab: "There is a mystery with these round churches. They are much more complex to build than square sided ones. They are essays in masonic precision and to visit the London church is to be struck by the engineering knowledge at the brethren's disposal. It has been suggested that the Templars built round churches in imitation of the Church of the Holy Sepulcher in Jerusalem, where the first Templars swore their religious vows. There may also have been some liturgical reason for the round shape- which suggests a rite with a central focus."

Eine große Anzahl von Fotos von Templerkirchen vor allem im Mittelmeerraum findet man auf Rosa Sanchos Pinterestseite. Übrigens kann man die historischen Varianten des Templerkreuzes auf Gewändern, Kirchenwänden, Münzen, usw einmal genauer betrachten, um die mystifizierende Interpretation selbst dieses Zeichens bei von Halle ausreichend widerlegt zu finden. Aber wie immer ist es mühsam, Halb- und Viertelwahrheiten, Suggestionen und sensationelle Zuspitzungen zu widerlegen. Andreas Meyer, der bereits in Die Drei entscheidende Vorwände gegen Judith von Halles Templerbuch vorbrachte (nämlich nachweisbare Fehler), bereitet für das kommende Frühjahr ein umfassendes Buch zum Templer- Thema vor.

Auch in Fachliteratur wie Alain Demurgers "Die Templer"** werden die unterschiedlichen Grundrisse der eigens von Templern erbauten Kirchen diskutiert; die normale Templerkirche war "sehr einfach und viereckig" (Demurger, S. 161). Rund- und polygonale Formen waren aber nicht nur selten bei den Templern, es gab diese Formen auch in anderen Kirchenbauten. Der Sakralbau mit zentralem Grundriss tauchte "in bedeutenden Komtureien" (D., 160) auf, in Frankreich lediglich in Paris. Daneben taucht dieser Typus in der Burg von Tomar (Portugal) und in Segovia auf - gelegentlich (so meine persönliche Erfahrung) an bedeutenden Orten wie dem Jakobsweg. Die große Ausnahme bieten die ausgesprochen häufigen Rundbauten im englischen Raum. Demurger nimmt an, dass dies zusammen hänge mit einer "anglo- normannischen", nämlich einer "alten keltischen Tradition" (D., S. 161).
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* JUDITH VON HALLE: Die Templer, Band I: Der Gralsimpuls im Initiationsritus des Templerordens, Verlag für Anthroposophie, Dornach 2012
**Alain Demurger, Die Templer. Aufstieg und Untergang 1120-1314, C.H. Beck 2005

Kommentare

  1. Es gibt auch Menschen die Pilgerfahrtern unternehmen zu Stellen wovon Dan Brown in seine Buecher geschrieben hat. Und auch nach Rennes Le Chateau von Sauniere, weil es davon auch Bestseller Buecher gab.Mancher dieser Menschen sind nach eigenen Mitteilen Spirituell...

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  2. Gleich mal schon Anti-Werbung gemacht, rechtzeitig bevor Band 2 des Templerbandes herauskommt. Übrigens wurde Andreas Meyers angebliche Vorwände gegen das Buch schon in folgenden Leserbriefen in DIE DREI widerlegt! So ein Pech aber auch...

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    1. Vermutlich geht sie auf die bekannten Rituale wie das Kreuzspucken ein, das vielfach dokumentiert ist (unter Folter) und findet dafür einige Erklärungen, lässt den Gral mit Arimathia nach Wales wandern, gibt dem Gerücht, die letzten Templer hätten sich in Schottland versteckt und später die Freimaurer begründet, reichlich Platz. Dazwischen ein paar Episoden von Merlin, ein paar Zitate und wilde Spekulationen über Meister- fertig. Es ist angerichtet!

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    2. Daß es auch um das Foltern gehen wird - das weiß man ja schon. Der Rest: abwarten...

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