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Samstag, 10. Dezember 2016

»... und mehr bedarfs nicht.« IV Die Kraft, Mensch zu bleiben


Ingrid Haselberger

 

Baruch Milch sah keinen anderen Weg, als sich selbst von seinen Gefühlen und Sehnsüchten abzuschneiden, sein Herz zu verhärten, den Himmel als leer anzusehen, jedem Glauben an eine gütige oder auch nur gerechte höhere Macht abzuschwören – und sich fortan in eisiges Schweigen zu hüllen.

Das Konzert-Drama Defiant Requiem erzählt von einem anderen Weg:

DEFIANT REQUIEM
Verdi at Terezín
Idee und Dirigent: Murry Sidlin

Ich habe schon viel über Theresienstadt gelesen – ich denke an ...trotzdem Ja zum Leben sagen von Viktor Frankl, an die Kinderzeichnungen von Helga Weissová, an die Oper Brundibar und die Kinder aus Theresienstadt; ich denke auch an den folgenden Ausspruch des 1944 in Auschwitz-Birkenau umgekommenen Komponisten Viktor Ullmann, dessen Lieder ich vor einiger Zeit gesungen habe (u.a. nach Texten von Albert Steffen – Ullmann war Anthroposoph):
Theresienstadt war und ist für mich Schule der Form. Früher, wo man Wucht und Last des stofflichen Lebens nicht fühlte, weil der Komfort, diese Magie der Zivilisation, sie verdrängte, war es leicht, die schöne Form zu schaffen. Hier, wo man auch im täglichen Leben den Stoff durch die Form zu überwinden hat, wo alles Musische in vollem Gegensatz zur Umwelt steht: Hier ist die wahre Meisterschule, wenn man mit Schiller das Geheimnis des Kunstwerks darin sieht: den Stoff durch die Form zu vertilgen – was ja vermutlich die Mission des Menschen überhaupt ist, nicht nur des aesthetischen, sondern auch des ethischen Menschen.
Aber noch nie hat mich ein Bericht über Terezín so sehr berührt wie diese Aufführung des Requiems von Giuseppe Verdi, eingebettet in die Schilderung des Rahmens, in dem sie damals, 1944, insgesamt 16mal zustandekam.

»Arbeit macht frei« – so stand (und steht es bis heute) über dem Tor des Konzentrationslagers Theresienstadt.
Inmitten des Elends dieses Ortes erkennt der charismatische Dirigent, Pianist und Chorleiter Rafael Schächter: nicht Arbeit, sondern Musik ist es, die die hier Gefangenen frei machen wird!
In einem der Keller steht ein altes Klavier, und er wagt es, zunächst heimlich, einen Chor zusammenzustellen. Er beginnt mit allgemein bekannten tschechischen Liedern – doch nach und nach kommt es zu immer anspruchsvolleren Aufführungen. Smetanas „Verkaufte Braut“ ist darunter, und Mozarts „Figaro“... und die Nazis haben nicht nur nichts dagegen, sondern kommen schließlich sogar zuhören.
Während es Juden im gesamten von Deutschland besetzten Gebiet verboten ist, sich zu versammeln, Musikinstrumente zu spielen oder abends auszugehen, finden die Inhaftierten im KZ Theresienstadt eine seltsame künstlerische Freiheit.

Aus seinem früheren Leben in Prag hat Rafael Schächter einen Klavierauszug des Requiems von Giuseppe Verdi ins Lager geschmuggelt. Um eine Aufführung dieses anspruchsvollen Werkes zustandezubringen, übt er mit den Mitwirkenden (unter ihnen beileibe nicht nur geübte Sänger!), bis sie jede einzelne Stelle auswendig können – denn sie haben nur diesen einzigen Klavierauszug.
Es gibt zunächst Diskussionen darüber, ob es nicht einer Selbstaufgabe gleichkäme, wenn Juden in dieser Situation ein christliches Werk singen – wäre es nicht angebracht, sich um jüdische Themen zu kümmern, etwa Händels Oratorien?
Doch Rafael Schächter hat es sich in den Kopf gesetzt, das Dies Irae in eine Botschaft für die Nazis umzuformen. Was diese gequälten Menschen ihren Peinigern auf Deutsch nicht sagen können – in lateinischer Sprache werden sie es ihnen singen: Am Tag des Zornes wird kein Sünder entkommen...
Schächter ist von der Größe des Vorhabens durchdrungen und verlangt den Mitwirkenden alles ab. Es soll ein Statement werden – »the biggest, perhaps the last, that they would make together. It had to be perfect. When it came to Rehearsals, he was mercyless.«

Die erste Aufführung ist ein unbeschreibliches Erlebnis, sowohl für die Sänger als auch für die Zuhörer – doch unmittelbar danach wird der Chor jäh dezimiert: 5000 Menschen werden nach Auschwitz deportiert, darunter viele, die mitgesungen haben... Schächter muß neue Chormitglieder gewinnen und gewissermaßen von vorne beginnen.
Insgesamt kommt es zu 16 Aufführungen (und drei Neuanfängen nach Deportationen).
Die letzte wird von den Nazis instrumentalisiert und findet vor einem Komitee des Internationalen Roten Kreuzes statt, als Zeichen dafür, wie schön es die Juden hier in Theresienstadt haben. Zudem entsteht der Propagandafilm Der Führer schenkt den Juden eine Stadt (die Überlebende Marianka May sagt darüber: »Deception is not the right word. There must be worse words for that.«).
Die Sänger hoffen, daß die ausländischen Gäste den gewaltigen Betrug durchschauen werden, wenn sie mit voller Herzenskraft und authentischer Verzweiflung singen... daß wenigstens ein paar Fragen gestellt werden – – – das gelingt nicht: »...they wanted to believe what they saw...«

Die Aufführung vor dem Internationalen Roten Kreuz am 23.6.1944 sollte die letzte bleiben. Zwei Wochen später sind alle Kinder, die für den Propagandafilm posiert haben, deportiert. Und auf der Liste für den Abtransport am 15. Oktober findet sich nicht nur fast der gesamte Chor, sondern auch Rafael Schächter...


Man könnte also sagen: Alles war vergeblich.
Die mit allen Kräften ausgesandte Botschaft ist nicht angekommen, alle Mühe, alle Beharrlichkeit und Ausdauer, aller Enthusiasmus, alle eingesetzten Herzenskräfte konnten nichts ändern am Gaskammern-Schicksal vieler, vieler Menschen...

Man könnte fragen: Wo war Gott?

Das damalige Chormitglied Marianka May antwortet auf diese Frage:
God sent us the Verdi — God sent us the music — God sent us Rafael Schächter — and the lectures — God sent us the way to live.
Of course God was there.
The question was: Where was MAN? Man was empowered by God to do good — compassion, love — where was man?

Und dennoch.

Es gibt, seit dem Jahr 2002, das Konzert-Drama Defiant Requiem, das die innere Situation dieser Menschen für uns Heutige erahnbar macht.

Jeder Abschnitt beginnt mit dürftiger Klavierbegleitung... nach und nach erst setzt das Orchester ein und vermittelt so eine Ahnung von der Illusion der Sänger in Theresienstadt, von ihrer Hoffnung auf ein grandioses Konzert, mit großartigem Orchester, nach dem Krieg, im schönsten Konzertsaal Prags...
Man sieht Plakate und hört Bruchstücke des vielfältigen Theresienstädter Kulturlebens, Theater, Konzerte, Kabarrettabende; und man hört das Pfeifen des Deportationszuges... 
Zwischen den Sätzen werden auf einer großen Leinwand im Hintergrund Ausschnitte aus Interviews mit überlebenden Mitwirkenden gezeigt. Zwei Schauspieler (im Wiener Konzerthaus waren es Erwin Steinhauer und Katharina Stemberger) sprechen Texte der bereits Verstorbenen.

Die Erinnerung in den Herzen der Überlebenden ist sehr lebendig. Sie sprechen Englisch, mit für mich rührend österreichisch klingendem Akzent. Mit leuchtenden Augen erzählen sie von der schwersten Zeit ihres Lebens.

Edgar Krasa (damals Lagerkoch und Schlafsaalgenosse Rafael Schächters):
Rafael Schächter was a godsend to all the prisoners, for, after a day’s work, he engaged large numbers of prisoners in performing, and even larger numbers in attending [the concerts]. Singing, we found, was not just taking our minds off the daily misery for the time we were singing, it gave us a lift, something that we carried with us into the next day, and it helped us to overcome whatever was put upon us during the day until we again met and sang. Schächter drowned out the prison mentality that had overcome everybody there.

Und noch einmal Marianka May:

We just tried to reach something that's bigger than we are. And let's hope that we ARE singing to God. And God can't help, but HEAR us.
I think when you are more a soul than a person, I don't think the soul has to be nourished by anything but heavenly music. The soul doesn't need anything else.

This room became the protective walls of something good, something meaningful, something healing, and something that showed everyone who was really listening that Rafi had put all of us, the singers and the audience, to another world. This was not the world of the Nazis. This was OUR world. 
We proved beyond the shadow of any doubt that yes, they have our bodies, yes, we have no more names, we have numbers, but they DON'T have our soul, our mind, our being. What we ARE cannot be taken away, also it won't be taken away at the moment we are shot.
I am not a holocaust survivor as much as a Requiem survivor.
I didn't only survive the Requiem, I got it as a present to take with me all my life.

Im Jahr 2002 wurde das Defiant Requiem in Portland (Oregon) uraufgeführt.   
Vier Jahre später kam es zu einer ersten Aufführung an dem Ort, wo alles begann: im Keller des ehemaligen Konzentrationslagers Terezín. Einige damalige Mitwirkende saßen im Publikum, die Söhne Edgar Krasas waren unter den Sängern...

Murry Sidlin, der Erschaffer und Dirigent dieses Konzert-Dramas
This is to me a very religious moment. 

One of the most important things we can do is to once again sing this music to these walls which heard it many years ago and haven't heard it since. 

All of this is to say – to not only the survivors but those who didn't survive – that they have been heard and we so honour them.
Here there were, surrounded on an hourly basis by man's worst, and these jewish prisoners and the creative people here were determined to remind everyone of man's best. 
We all have a powerful emotional storehouse. And we don't necessarily have the language to get at the power of our feelings. When common language cannot longer get even close to what it is we're feeling – that's when art begins.

* * *

siehe auch: 

»...und mehr bedarfs nicht.« III 



Mittwoch, 7. Dezember 2016

Zero Point oder Der verborgenste Teil der Welt

In den letzten Tagen haben Caryn und Andere in diesem Blog einiges zum Zero Point des Bewusstseins geschrieben- der Nahtstelle zwischen Bewusstem und Unbewusstem, zwischen Wachen und Schlafen, zwischen Punkt und Kreis oder zwischen Tagesbewusstsein und initiiertem Bewusstsein. Gerade regte Caryn zum Thema an:

I feel the Still Point is a more adequate name then zero point as zero indicates nothing whereas the still point indicates everything. This is where our celestial ego waits, patiently waits, for our earthly ego to go through experience.
Nightly we die breathing out our ego and astral body and travel right back to the beginning through the planets to the still point before we even entered earth. When we wake up in the morning we breathe our ego and astral body in again.

Ich finde aber, dass „Zero Point“ als Begriff auch seine Berechtigung hat. Denn der Punkt, an dem sich das menschliche Bewusstsein ohne sinnlich- körperliche Stimulanzien, ohne assoziatives Wandern und Kreisen, Angestossenwerden und ständiges Sich- Vergewissern halten kann, kann schon als Nullpunkt erlebt werden. Der Punkt, an dem die Konzentration sich ihrer selbst bewusst wird, ist wie ein Wechsel auf ein anderes energetisches Level. Es ist auch ein Nullpunkt, weil es vollständig gleichgültig ist, wer oder was man ist, woher man kommt und wofür man sich hält. Die Vergangenheit spielt keine Rolle in der reinen Gegenwärtigkeit.

Das ist ein Wendepunkt in der inneren Wahrnehmung- ein sich selbst erschaffendes Selbstbewusstsein, das an nichts anstösst und sich selbst erhält. In dieser Hinsicht ist es eine neue Geburt - fern von Determination, jenseits der Selbstbilder, jenseits des Haftens und der permanenten und totalen Verstrickung. Georg Kühlewind* nannte diesen Zero Point die „paradoxe Selbstschöpfung des Ich aus der gegebenen Ich- Substanz der Aufmerksamkeit“. Das „Gegebene“ ist das, was man an sich vorfindet, die Geworfenheit ins Dasein, die biografische Identität. Dass es überhaupt eine Möglichkeit zur inneren Verselbständigung und geistigen Präsenz geben kann, kann als Aktivität des inneren Logos begriffen werden - als der göttliche Funke im Menschen, der willentlich und bewusst ergriffen werden kann.

Kühlewind beschreibt den Prozess als Aufhebung des existentiellen Leidens jedes Menschen- ein Leid, eine naturgegebene Passivität, bei der „ein Teil der freien Aufmerksamkeit“ sich notwendig opfert ins das „Selbstempfinden“ hinein, das die „nicht- erkennende Empfindung des Leibganzen“ ist. Anders ausgedrückt verschluckt das leibliche So- Sein, das biologische Selbst einen erheblichen Teil der potentiellen Aufmerksamkeit, und macht so sensorische Wahrnehmung und Selbst- Empfinden erst möglich. Der freie Teil kann sich aus der sensorischen und intellektuellen Determination befreien, sich seiner selbst in steigendem Maß bewusst werden und die gebundenen Energien transparent machen. Bis dahin bleibt das eigene Innere, das biologische Selbst für das Bewusstsein des Menschen „der verborgenste Teil der Welt“- etwas, was tief im Schlaf und im Unbewussten liegt. Auf der Verborgenheit baut sich das „ganze nicht- erkennende Seelische auf“, mitsamt der Konstruktion des Ego. Es besteht ein unendlicher seelischer Hunger, gefüllt, befriedigt und gesättigt zu werden, der nie befriedigt werden kann, aber das Rad der nicht endenwollenden seelischen, geistigen und körperlichen Begierden antreibt.

Die Selbstergreifung des Bewusstseins im Zero Point ist daher ein paradoxer Akt der Freiheit. Rudolf Steiner hat diese Paradoxie als Enthüllung beschrieben: „In der Bewusstseinsseele enthüllt sich erst die wirkliche Natur des Ich. Denn während sich die Seele in Empfindung und Verstand an anderes verliert, ergreift sie als Bewusstseinsseele ihre eigene Wesenheit. Daher kann dieses Ich durch die Bewusstseinsseele auch nicht anders als durch eine gewisse innere Tätigkeit wahrgenommen werden (..)“**
______________

* Georg Kühlewind, Der Gral oder was die Liebe vermag, S. 52f
** Rudolf Steiner, Die Geheimwissenschaft im Umriss, Kap Wesen der Menschheit

Freitag, 2. Dezember 2016

Dem Leben verpflichtet- Erinnerungen und Zeichnungen Robert O. Fischs

Im Info3- Verlag und in Kooperation mit dem Karl König Institut ist vor Weihnachten ein kleiner, schöner Band mit Texten und Bildern Robert O. Fischs erschienen- „Licht vom Gelben Stern. Funken der Menschlichkeit in der Zeit des Holocaust“, der ein Zeichen setzen möchte, dass die „Leuchtkraft der Handlungen aus Menschenliebe“ letztlich stärker sind als „alle Schrecken der Brutalitäten“.

Robert Fisch, heute 91 Jahre alt und ein sehr erfolgreicher und engagierter amerikanischer Arzt, hat als 19- Jähriger, kurz vor Ende des Krieges, als ungarischer Jude alle Schrecken des Faschismus, und nach dem Krieg bis zum Volksaufstand 1956 und seiner anschliessenden Flucht in die USA die Unterdrückung durch ein kommunistisches Regime kennen lernen müssen. Er nennt das lakonisch „Mein Leben war interessant.

Mit der Besetzung Ungarns durch die Deutschen 1944 begann die Deportation ungarischer Juden, die nur ein Bruchteil der 600000 Betroffenen überleben sollten, obwohl sich amerikanische Streitkräfte bereits anschickten, Sizilien einzunehmen und Europa zu befreien. Fisch wurde im Juni 1944 zur Zwangsarbeit für die Nazis verpflichtet, die u.a. in der Entfernung nicht explodierter Bomben bestand. 1945 begannen mehrere Todesmärsche und Transporte in Viehwaggons Richtung Österreich - zum Konzentrationslager Mauthausen und schließlich zum Todeslager Gunskirchen. Die kaum zu schildernden mörderischen Umstände beschreibt Fisch kühl, kurz, sachlich- und um so deutlicher für den Leser. Jeder kurzen Szene wird eine der fast abstrakten, aber warm wirkenden Zeichnungen Fischs gegenüber gestellt. Die Anekdoten des Schreckens und der erlebten Amoralität, die ihm widerfahren, werden dadurch aufgefangen, aber nie beschönigt. Und dennoch schleichen sich menschliche Fragmente in die Erfahrungen ein: Ein SS- Mann, der ein paar Schnitten verteilt, eine Bäuerin, die ihr Leben dafür opfert, an die verhungernden Gefangenen ein paar Äpfel zu verschenken. In Mauthausen angekommen - „Überall lagen Leichen und Skelette herum“- können auch Bomben, die mitten im Lager explodieren, kaum noch mehr Schrecken verbreiten. Aber das Leiden hat immer noch kein Ende. Als die russische Armee sich anschickt, Mauthausen zu befreien, werden die Gefangenen ins Todeslager Gunskirchen verlegt. Die junge Vorhut von US- Soldaten, die Fisch endlich fast tot erlöst, kann die Schreckensgeschichten kaum glauben. Das alles nur wegen Religion?

Besonders betroffen ist Fisch nach seiner Rückkehr nach Budapest über die Nachricht vom Tod seines Vaters, der, ebenfalls interniert, seine Essensration an andere Gefangene verteilt hatte: „Wenn ein Mensch dies einem anderen antun kann, dann gibt es für mich keinen Grund, zurück zu gehen.“  Aber auch Fisch geht nicht zurück, nicht in den Hass, nicht in die Rache und nicht in die Leere der Gefühle, die sein Leben in der Zeit des reinen Überlebenskampfs beherrscht hatte- auch wenn die Nächte ihm diese Schrecken ein Leben lang zurück brachten. Fischs innere Haltung wurde das Credo: „Am Leben geblieben zu sein ist kein Privileg, sondern eine außerordentliche Verpflichtung.“ Sein Leben lang hat ihn die Frage der inneren Freiheit beschäftigt - die, die noch über äußere Befreiung hinaus geht, als „Aufblühen der Individualität“: "Eine freie Person muss denken können. Freiheit ist viel mehr als das Fehlen von Angst. Freiheit ist ein ständiger Kampf. Es ist ein schöpferischer Prozess, der neue Wege eröffnet.“

In diesem Sinne sind Robert Fischs Erinnerungen, Reflexionen und Bilder zu einem Buch geworden, das Mut und innere Standfestigkeit vermittelt- die Geschichte eines inneren Wachsens in Zeiten des absoluten Schreckens.

Montag, 28. November 2016

»... und mehr bedarfs nicht.« III Verstehen, Verzeihen – Befreiung und Versöhnung

Ingrid Haselberger


Wer einige meiner Aufsätze hier gelesen hat, der weiß, daß mir der Pfingstspruch ein Anliegen ist, in dem Rudolf Steiner darauf aufmerksam macht, daß die Weltenmächte auf der Seele eignem Grunde und mithilfe von Menschenkräften miteinander im Kampfe liegen – und daß ich daher nicht müde werde, davon zu sprechen, wie wir im eigenen Inneren mit dem jeweils „Bösen“ umgehen und den Versuch wagen können, aus der Auseinandersetzung damit eine „gute“ Kraft erwachsen zu lassen.

Darauf werden mir des öfteren – auf den ersten Blick sehr begreifliche – Einwände erhoben, zuletzt hier:
»Wenn ich mir den Luxus leisten kann, mich primär darum zu kümmern "welchen der „Wölfe“ in meinem eigenen Herzen ich füttere" - dann lebe ich mit großer Wahrscheinlichkeit in einer ökonomisch und sozial sicheren, friedlichen Umgebung, dann berührt es mich nicht unmittelbar, was an "Bösen" da "draußen in der Welt" passiert (Putin, Assad, Erdogan, Trump weiterhin nur im TV).«

Ich nehme diese Einwände ernst - - - und versuche wieder, Eindrücke aus musikalischen Aufführungen wiederzugeben, die ich in diesem Herbst in Wien erlebt habe. Diesmal ist es die Oper „Baruchs Schweigen“ von
Ella Milch-Sheriff.

BARUCHS SCHWEIGEN (2010)
Musik: Ella Milch-Sheriff
Libretto: Yael Ronen

Die Kindheit der israelischen Musikerin Ella Milch-Sheriff war schwer belastet durch die traumatischen Erinnerungen ihrer Eltern. Das eisige Schweigen ihres Vaters Baruch, den sie als brutalen und verständnislosen Menschen erlebte, formte die familiären Beziehungen.
Was Ella und ihre Schwester damals nicht wußten: Baruch Milch hatte in der Shoah seine erste Frau, seinen kleinen Sohn und seinen Neffen verloren.
Das Schweigen, das ihm selbst beim Überleben half, wurde seinen Töchtern zur psychischen Falle – das unausgesprochene Grauen saß immer mit am Tisch...

Während seiner letzten Lebensjahre schrieb Baruch seine damaligen Erlebnisse nieder und nahm seinen Töchtern das Versprechen ab, sie zu veröffentlichen. Kurz nach seinem Tod tauchten zudem seine Original-Tagebücher aus der Zeit 1943-44 auf.
Ella Milch-Sheriff hielt ihr Versprechen auf ihre Weise: sie komponierte eine Kantate, schrieb ein Buch und schuf schließlich ein Stück Musiktheater, das unter die Haut geht. Es ist, wie sie sagt, keine KZ-Oper, nicht einmal wirklich eine Holocaust-Oper: »Es geht um Flucht, um das Überleben, um Schuldgefühle und die Unfähigkeit, mit ihnen umzugehen. Eigentlich ist es die Geschichte der zweiten Generation.«
 

In der Aufführung im Wiener Semper-Depot traten die Geister der Vergangenheit, solange sie nur „Stimmen“ aus einem unheimlichen Dunkel waren, oben auf den Galerien auf. Nach und nach aber kamen sie herunter auf die Bühne, spielten, gewissermaßen auf dem Schauplatz der Seele der Tochter, die damaligen Ereignisse nach, im hellen Licht ihres Bewußtseins (und der Scheinwerfer) und somit für sie und uns alle sicht- und erlebbar – und trugen dadurch zur Heilung bei. 

 »Für mich war und ist es eine Aufgabe, an die Shoah zu erinnern«, sagt Ella Milch-Sheriff. »Ich habe eine Oper über das Thema komponiert, weil ich glaube, daß man nur so diese Erinnerung halten kann, durch Musik, Malerei, durch Bücher, aber auch Tanz und Film.«

Hier ein Ausschnitt aus dem Libretto:


1.Bild

(Die Tochter tritt auf. Eine absolute Stille herrscht, bis auf das Ticken einer Wanduhr. Die Tochter bewegt sich zwischen verschiedenen, mit weissen Tüchern bedeckten Objekten hindurch. Sie hebt das Betttuch von der Uhr.)

Tochter:
Hören Sie?
Die Musik meiner Kindheit.
(schliesst ihre Augen, hört dem Ticken der Uhr zu und dirigiert ein imaginäres Orchester)
Im gespenstischen Meer der Stille
Ein einziger, rhythmischer, beständiger Ton,
Wie ein Versprechen, dass sich alles ändern wird.
(Die Mutter und der Vater treten von beiden Seiten auf. Sie nehmen die Tücher von den Stühlen am Esstisch und setzen sich hin)
Oder, wie eine tickende Bombe.
(Sie setzt sich zu den Eltern, und sie essen schweigend. Die Familienangehörigen des Vaters und der Mutter, Elias und "Die Geister", treten einer nach dem anderen auf)

Geister [auf der Galerie]:
Du sollst keine Götter neben dir haben.
(Die Tochter nimmt die Geister wahr. Der Vater und die Mutter sehen über sie hinweg)

Die einzelnen Geister:
Tue nur, was dir selbst nutzt, und opfere dich nicht für andere.
Lebe das Leben bis zur Neige und genieße jeden Augenblick.
Liebe dich selbst über alles.
Gib anderen nichts, was dir selbst gut tut.
Belaste deinen Kopf nicht unnötig.
Härte dein Herz ab und gehorche ihm nicht.
Tritt anderen nicht zu nah und lass sie dir nicht nahe kommen.
Vertraue niemand.

Kind:
Glaube nicht – der Himmel ist leer.
Bete nie – der Himmel ist leer.
Hoffe nicht – der Himmel ist leer.
Niemand hört dich –
Der Himmel ist leer, der Himmel ist leer.

Tochter:
Aus! Aus! Schluss! Schluss!

(Das Kind setzt sich auf den Schoß des Vaters und singt mit den Geistern weiter) 
Geister und Kind:
Glaube nicht – der Himmel ist leer.
Bete nie – der Himmel ist leer.
Hoffe nicht – der Himmel ist leer.
Niemand hört dich...

Tochter (zum Vater):
Wie kann das sein?...
Dieser blaue Himmel ist leer?
Die hellen Nächte voller Sterne sind gleichgültig?
Die Wolken, die Sonne, der
Mond, sie sind sinnlos?
Ist das möglich?
Wie ist das möglich?

Vater (zur Tochter):
Der Himmel bleibt ungerührt
Und niemand hört zu.
Die Welt ist still,
Nur der Tod hat eine Stimme, klar und deutlich.
Sinnlos das Wehren,
das Schreien und Weinen.
Weit und breit gibt es nichts, gibt es nichts.
Nur Dich gibt es,
Und die tickende Uhr.

Tochter:
Nur die Toten hören nichts als die Stille.
Nur die Toten geben keinen Laut.
Ich bin noch am Leben.
Ich lebe. Ich lebe.
Sieh mich an.
Sieh mich an.
Hör mir zu,
Frag, wie es mir geht.
Sag, ich sei gewachsen, Ich sänge so schön.
Frag, ob ich weine,
Küss mich und sag “Du darfst”.
Sag, es macht einen Sinn zu warten,
Sag, man darf sich freuen.
Sag irgendwas,
Aber brich endlich das Schweigen!

Mutter:
Lass es, lass es, Kind,
Wer nicht kann, muss auch nicht können.
Nicht jede Erinnerung schliesst in sich eine Geschichte.
Und nicht jede Geschichte reduziert sich auf Worte.
Und nicht jedes Wort findet eine Sprache.
Und die Sprache zuweilen findet nicht den Ton.
Lass es, lass es, Kind,
Wer nicht kann, muss auch nicht können.

Tochter (zur Mutter):
Du weißt alles, aber du erzählst nichts.
Die Hüterin seiner Geheimnisse!
Die will, dass ich unsichtbar bin und stumm.
Aber ich will eine Mama,
Wie sie jedermann hat.
Weder Umarmung noch Kuss -
Deine Lippen ausgebrannt,
Deine Hände verglüht,
Die nicht berühren können.
Du möchtest lieben,
Aber Du weisst nicht mehr wie.

[…]

9. Bild
[auf der Bühne]

[…]

(Der Vater schweigt. Das Kind stirbt)

10. Bild
[auf der Bühne]

Vater:
Und so hörte ich auf, ein Mensch zu sein.

Geister (Alle, im Hintergrund):
Bete nicht, Hoffe nicht –
Der Himmel ist leer.
Niemand hört zu – der Himmel ist leer.

Tochter:
An diesem Tag hörte Vater auf, ein Mensch zu sein.
Ich wuchs auf im Haus eines Toten.
Stark und weise, aber tot.
Er verbot mir zu weinen.
Jedes Gefühl ein Zeichen von Schwäche.
Denn nur die Starken überleben.
Er sehnte sich nach einem Sohn,
Den verlorenen zu ersetzen
und jenen, den er sterben ließ.
Aber – er bekam mich.
Denn der Himmel ist leer,
Und niemand hört zu,
Wie konnte ich wissen, Vater?
Wie sollte ich verstehen?
Wie konnte ich vergeben?

Geister:
Yit'gadal v'yit'kadash sh'mei raba.

Tochter:
Ich hielt mein Versprechen.
Ich erzähle deine Geschichte, Vater.
Dies ist mein wirklicher Abschied.
Jetzt lerne ich zu vergeben und zu vermissen.
Endlich Frieden.
Yit'gadal v'yit'kadash sh'mei raba.

* * *

Es berührt mich sehr, daß das bewußte Nacherleben sowohl der Stimmen der Geister aus der Vergangenheit des Vaters als auch der traumatischen Kindheitserlebnisse der Tochter schließlich in einen Lobpreis Gottes mündet – in Gestalt der ersten Zeile des jüdischen Gebetes Kaddish:  
»Yit'gadal v'yit'kadash sh'mei raba.«
»Erhoben und geheiligt werde Sein großer Name.«

Im orthodoxen Judentum wird Kaddish zum Totengedenken elf Monate lang dreimal täglich gesprochen, und zwar vom nächsten männlichen Angehörigen und in Anwesenheit von mindestens zehn erwachsenen (im religiösen Sinne „mündigen“) männlichen Juden.
Ella Milch-Sheriff läßt es die Tochter – also sich selbst – sprechen.
Für mich als Zuhörerin wird dadurch eine dritte Befreiung erlebbar.

Und so antwortet die Tochter, nachdem sie uns an ihrem langen Weg der Befreiung teilhaben ließ, auf den Satz ihres Vaters »Der Himmel ist leer« nicht mit althergebrachten religiösen Vorstellungen, sondern sie ruft voller Freude:
»Mein Himmel ist voller Musik!«

 

Erschaffe Dich selbst

Nein, mit dem etwas provokativen „“Erkenne dich selbst“ heißt: Erschaffe dich selbst““ hat Kühlewind in einem wenig bekannten Buch* keineswegs frühe Anleitungen für narzisstische Positionierungen des Einzelnen im postfaktischen Zeitalter gegeben- und auch keine neoliberalen Selbstoptimierungs- Botschaften verschickt. Es geht ihm vielmehr um die meditative Annäherung des modernen, an die Objektwelt gefesselten Individuums an die innere „Durchsichtigkeit des Logoselements“ durch eine intensivierte Konzentration: „Das Selbst erschafft sich in der gesteigerten Aufmerksamkeit, wenn sie stark genug wird, sich selbst zu erfahren..

Bis zu diesem inneren Wendepunkt bleibt das Ich gefesselt an die Inhalte seines Denkens, an die Informations- Bits, mit denen es gefüttert wird bis zum Überdruss- heute, im digitalen Zeitalter, mehr denn je. Die Spiegelung der massenhaften Wissens- Brocken füttert ein Selbst, das sich in Formen seiner Empfindsamkeit prägt, wobei die Selbstfühligkeit eine geliehene, brüchige Sicherheit vermittelt, die immer intensivere seelische Muster, immer mehr Input benötigt, schwankend zwischen Konsumismus, Zorn, Unzufriedenheit und primitiven Impulsen der Peergroups in den sozialen Netzwerken. Die „freie, nicht gestaltete Aufmerksamkeit“ lebt sich zwar aus- sei es im Beruf, in Fähigkeiten, sozialen Gestaltungsmöglichkeiten, künstlerischen Tätigkeiten oder esoterischen Seminaren- bleibt aber fragmentarisch in ihrer Wirksamkeit, so lange das Denken und Empfinden nicht auf einer höheren Ebene sein Selbst „aus dem Nichts“ zu begründen in der Lage ist. Die Konfrontation mit diesem Nichts ist aber heute endemisch- schicksalhaft kaum zu vermeiden. Die individuellen Katastrophen, die Abstürze, die aufbrechende Verzweiflung sind ebenso Zeichen dieses gärenden Prozesses wie das äußere politische und wirtschaftliche Chaos.

Es ist sinnvoll, einen Schwerpunkt des Bewusstseins zu suchen, um nicht mitgerissen zu werden von den verzehrenden grassierenden ideologischen und emotionalen Wellen- oder sich einzuigeln in einer selbstzufriedenen Abstumpfung und Rechthaberei. Das Erschaffe-dich-selbst erfährt sich als reine, freie Aufmerksamkeit, die auf nichts beruht und an nichts anlehnt. Sie besteht aus sich selbst, in einem beweglichen Willen, der sich in bewusster Stille im Gleichgewicht hält. Allein das aufzubringen ist schon eine Kraft der Hingabe; in der höchsten, aber leeren Konzentration.

Lösen sich in der ersten Phase die gegebenen seelischen Muster nach und nach auf, fasst sich das sich haltende Selbst nach und nach, begründet sich in völliger Transparenz: „Die auflösende Formkraft, nunmehr formfrei, wird in die Kraft des höheren Selbstbewusstseins metamorphosiert: Dadurch entsteht ein höheres Selbst, das zugleich das Bewusstsein seiner selbst ist, Selbstbewusstsein also, sich selbst erfahrende Aufmerksamkeit.“

An der Stelle dieser Metamorphose bislang gebundener, geformter Willenskräfte strömt in die Transparenz kraftvoll das ein, was bislang einzeln, blitzartig auftretende Intuition war. Das blitzartige Verstehen wird als der Kern des wirklichen, ungebrochenen Selbst begriffen; das Verstehen erlebt sich selbst und wird zur Identität: Das Logoselement wird in der eigenen Mitte zur Kraft, die sich selbst hält: „Die Kraft in den Formen hat gelernt, ohne Formen zu bleiben und ein formfreies Selbst zu werden.“ Damit begreift sich der Mensch selbst als „geistige Welt“, die keineswegs jenseitig und verborgen ist. Gerade die Erfahrung der Unverborgenheit begründet die eigene Existenz.

Von hier ab sind dem gestaltenden Willen, der Fähigkeit zur Hingabe, der Kraft zum Beginnen keine Grenzen gesetzt: Das Ich-bin macht alles neu. Die Selbsterfahrung besteht in Zeit- und Ortlosigkeit. In der Stille lernt es, sich in immer weiter wachsender Dynamik in Hingabe zu üben.

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*Georg Kühlewind, Der Gral oder Was die Liebe vermag, Ostfildern 1997, S. 20f

Samstag, 19. November 2016

Lame ducks oder: Warum die Populisten kommen

Jens Heisterkamp mahnt bei Info3 aktuell, angesichts der weltweiten Erfolge von Populisten, die liberale Zivilgesellschaft zu stärken und ihre Stimmen vermehrt anzuhören: „Die Mitte hat jedoch ihrem Wesen gemäß ein Manko gegenüber den radikalen Extremen: Sie ist nicht mit Charismatikern gesegnet, und der mühsame Ausgleich der Gegensätze bringt selten heroische Figuren hervor. Deshalb brauchen wir ein breites Bürger-Bündnis der besonnenen Mitte, die von Angela Merkel bis Winfried Kretschmann, von Navid Kermani bis Carolin Emcke, von Wim Wenders bis Sarah Wiener und Herbert Grönemeyer reichen kann.“

Freilich, der Appell an demokratische Tugenden tut not und tut auch gut- auch wenn sich wegen der engen wirtschaftlichen Verflechtung mit der Türkei und der Bedrohung eben dieses liberalen Europas durch circa drei Millionen Flüchtlinge in der Türkei (dort, wo diese Intellektuellen und Liberalen tatsächlich eingesperrt, gefoltert und getötet werden), allenfalls ein laues Lüftchen von Protest im Westen erhebt.

Lame ducks sind inzwischen nicht nur amerikanische Präsidenten wie Obama - gefangen und gefesselt von den eigenen Widersprüchen. Gewiß, Obama war angetreten, die Verwicklung Amerikas in zahllose Kriege zurück zu fahren und wirtschaftliche Erholung zu bringen. Aber Obama war nicht nur als Präsident durch den republikanischen Kongress gefesselt- das Vakuum, das seine halb gare politische Zurückhaltung gebracht hat - etwa in Syrien- hat Russland strategisch ausgenutzt und sich entsprechend entfesselt als Weltmacht etabliert. Humanität steht nicht auf den Flaggen der Krieger, die ins amerikanische Vakuum vorstossen. Obamas Rhetorik wirkte auch deshalb so abgehoben, moralisch indifferent und wenig glaubwürdig, weil er den Krieg ins elektronische Drohnen- Programm abgeschoben hat- aus den Augen, aus dem Sinn, aber nicht weniger mörderisch für die Zivilbevölkerung der arabischen Länder und Regionen, nicht weniger attraktiv für islamistische und terroristische Gruppierungen als offene kriegerische Handlungen. Auch Obamas Statistiken zum inner - amerikanischen Arbeitsmarkt haben dieses indifferente, zweischneidige Gesicht. Die Zahlen bzgl der Beschäftigung scheinen signifikant besser als vor 8 Jahren, zu Beginn seiner Präsidentschaft, aber auf Kosten der wirtschaftlichen Verödung ganzer Regionen, einer Verlagerung der Arbeitsplätze in schlecht bezahlte Teilzeitjobs und einer chronischen Verschlechterung der Bedingungen in Erziehung und Infrastruktur.

Der Glanz dieser Präsidentschaft ist auf dünnem Papier gedruckt, aber der Preis dafür erscheint hoch, denn er wird in harter Währung gehandelt. Die heißt Radikalisierung des Prekariats - wozu inzwischen wie in Europa auch Teile der früheren Mittelschicht gehören- und Wahl einer populistischen neuen Regierung mit reaktionären Zügen. Amerika wird sich isolieren, und wird durch hemmungslose neue Schulden vordergründig dort Erfolge einfahren, wo Obama die Dinge treiben ließ- auf Kosten der Umwelt und letztlich derer, die heute auf Donald Trump setzen. Steigende Zinsen und neue Schuldenberge werden vor allem den Banken nutzen, aber die wieder erneuerte Deregulierung der Finanzmärkte wird sich wohl nach einigen Jahren in einem Kollaps entladen- wieder einmal, und wieder nur auf Pump gelebt.

Auch Europa dreht sich aber auf ganz ähnliche Weise im Kreis. Und es ist mit einem egomanischen, trunkenen Jean- Claude Juncker in ähnliche Widersprüche verwickelt. Auch er lässt in schönen Reden die europäische Idee feiern, fördert aber real die nationalen Interessen Luxemburgs durch gezielte Steuerentlastungen für Großkonzerne :“Die meisten Mitgliedstaaten unternahmen nichts, um das Anlocken von Großkonzernen durch Steuervorteile zu stoppen. Einige befeuerten den Wettbewerb sogar massiv - zum Schaden aller Steuerzahler, die sich, anders als internationale Unternehmen, nicht aussuchen können, in welchem Land sie ihr Einkommen versteuern. Und die EU-Kommission, eigentlich Hüterin der Europäischen Verträge, sah weitgehend tatenlos zu“. Eine unglaubwürdige Figur, ein Führer ohne jede Vision, die krampfhaft an der Macht klammert; keineswegs geeignet für die schwierige Situation eines im Zerfall befindlichen Europas.

Die Reaktionen auf den verheerenden Brexit bestehen in rituell wiederholten Drohungen gegenüber Großbritannien und bockigen Appellen an ein Weiter- so, die an ein dreijähriges Kind erinnern, das die Tischkante beschimpft, an der es sich gestossen hat. Statt die schweren Konstruktionsfehler und Widersprüche Europas tatkräftig anzugehen, ergehen sich die Granden in beschwörenden Appellen und Feiern, in denen sie sich an die eigene Brust fassen. Genüsslich legt ein Hans- Olav Henkel das verantwortungslose, machtbesessene Treiben der europäischen Führung bloß: „Jean-Claude Juncker führt sich als Präsident der EU-Kommission wie der europäische Ministerpräsident auf.

Die Machtspiele der europäischen lame ducks vertragen sich nicht mit der realen Lösung struktureller Probleme, da in diesem Fall Privilegien beschnitten werden würden. Man möchte daher die Probleme wie den fatalen Euro, der sich wie ein Korsett über die europäische Union legt, keinesfalls angehen. Dabei hängen die weniger produktiven Mittelmeer - Staaten - nicht nur Griechenland- seit Jahren am Tropf der Union, weil sie wegen der fehlenden Möglichkeit, ihre nationalen Währungen anzupassen, gelähmt sind. Der Finanztransfer, der diese Zwangslage überhaupt auf der Intensivstation europäischer Wirtschaftspolitik medikamentös am Überleben hält, sind die niedrigen Zinsen, die die produktiveren nördlichen Länder und ihre Banken ins Mark treffen und aushöhlen. Damit werden die Schulden der Mittelmeer - Anrainer gedeckelt. Aber im Norden verarmen ganze Regionen und Bevölkerungsschichten, und wirtschaftliche Entwicklung findet auch in den südlichen Ländern nicht statt- die Jugendarbeitslosigkeit lässt eine ganze „lost generation“ ohne Perspektive entstehen, die leichte Beute für die Populisten sind.

Das ist nur ein Teil der Fliehkräfte im europäischen Fehlkonstrukt, aber auch ein wesentliches Element, das der Radikalisierung und Frustration den Boden bereitet hat. Das krampfhafte Festhalten der lame ducks europäischer Politik am symbolischen Euro zerstört die europäische Idee systematisch von innen. Der Feind ist die komplette Unfähigkeit zu politischem Handeln, die Angst vor Entscheidungen, die nationalen Interessen schmerzlich in die Parade fahren könnten. Dass das Frankreich, das dringend einen konkreten Anschub vor den Wahlen im kommenden Jahr bräuchte, nächstes Jahr in die radikal populistische Kurve treiben wird, ist mehr als wahrscheinlich. Da kann man mit dem Finger auf russisch finanzierte Propaganda- Maschinen wie RT richten, wie man will. Putin bedient nur die Tasten, die ihm die lame ducks hin halten, und er spielt sein Lied von neuer Weltmacht darauf, die Augen fest auf die eurasische Dynamik vom Osten gerichtet, mit freier Bahn durch unbewegliche westliche Systeme, die von innen zerfallen und dabei mehr und mehr populistischen und nationalistischen Versprechungen in die Hände spielen.

Donnerstag, 17. November 2016

Anthroposophische Kulminationen

Kulmination einer anthroposophischen Veranstaltung
Dem einen kommt es so vor, als bestünde die Entwicklung der anthroposophischen Bewegung in einer Art Kulmination galoppierender Irrelevanzen, die in trüben Zweigversammlungen ältlicher und griesgrämiger Mitglieder, einiger Impfgegner und Anhänger bizarrer Verschwörungstheorien ihr spirituelles Dasein hoch halten, aber den Beseelten und Beflügelten erscheint das natürlich ganz anders. Schließlich hatte Herr Doktor für das Ende des letzten Jahrtausend eben diese anthroposophische Kulmination voraus gesagt, für die diejenigen, die Anfang des 20. Jahrtausend ihn persönlich erlebt hätten, extra eine Zwischeninkarnation einschieben würden, um in einem Gemeinsam - sind- wir- stark Anthroposophie zum fulminanten Durchbruch zu verhelfen: „Diejenigen Persönlichkeiten, die jetzt durch ihr Karma in ihrer Verbundenheit mit der Michael -Herrschaft in die anthroposophische Bewegung herein treten, werden unter Durchbrechung von mancherlei Wiederverkörperungsgesetzen mit der Wende des 20., 21. Jahrhunderts wieder erscheinen, um dann dasjenige, was sie jetzt tun können im anthroposophischen Dienst der Michael-Herrschaft, zur Kulmination, zum vollen Ausdruck zu bringen." (GA 240.234) In dieser Hinsicht ist es ein bißchen wie mit den Weltuntergangs- Prophezeiungen der Zeugen Jehovas - was macht man, wenn von eben dieser Kulmination so gar nichts zu bemerken ist - dümpelt doch die wirtschaftliche, soziale und politische Bedeutung dieser Bewegung - von den Tochtergesellschaften abgesehen- eher im Untergeschoss hinter pfirsichblütfarben angestrichenen Zweigwänden vor sich hin?

Natürlich deutet man es um. In öffentlichen Diskussionen wird von Anthroposophen behauptet, dass man nicht das halbleere, sondern das halmvolle Glas beachten müsse, denn ohne die fulminante spirituelle Arbeit zahlreicher reinkarnierter Anthroposophen sei die gesamte Zivilisation längst ausgerottet, wir hätten es nur nicht gemerkt- getreu den Visionen Steiners: „Diejenigen Menschen die mit völliger Intensität drinnen stehen in der anthroposophischen Bewegung, werden am Ende des Jahrhunderts wieder kommen. Es werden sich dann andere mit ihnen vereinigen, weil dadurch eben jene Rettung der Erdenzivilisation vor dem Verfall letztgültig entschieden werden muß.“ (GA 237.147)

Nun sei laut Rudolf Steiner in derselben zeitlichen Epoche (3 x 666 Jahre) auch eine Kulmination des Bösen, nämlich eine körperliche Inkarnation des Antichristen Ahriman selbst zu erwarten. Die komplizierten Erklärungen, warum Steiner in diesem Zusammenhang 1933 völlig übersehen haben mag, überspringen wir an dieser Stelle. Stattdessen konzentrieren wir uns auf einige Kennzeichen der ahrimanischen Attacke, wie sie Steiner dargestellt hat. Für die „Vorbereitung für die Inkarnation des Ahriman“ sei nämlich unabdingbar, „alles zu schüren, was die Menschen heute in kleine Gruppen zerteilt, die sich gegenseitig befehden.“ (GA 193.171) Das allerdings scheint, seit Facebook, Twitter und der Infantilisierung von Politik und Öffentlichkeit, eine nicht so üble Charakterisierung gegenwärtiger Kulmination- allerdings auch eine, die den Zustand der anthroposophischen Bewegung selbst treffend beschreibt. Die Kulmination intellektueller Raffinesse durch spezifische Nahrungsmittel (McDonald? Pommes rot- weiß?) - eine weitere Charakterisierung Steiners- allerdings lässt sich heute, zum von Steiner angegebenen Zeitpunkt nach der Jahrtausendwende, ebenso wenig erkennen wie eine „Zauberschule“, die die Massen zu spontaner Hellsichtigkeit treiben würde, auch wenn sich Alexander Dugin einige Mühe geben mag: „Ahriman würde den Menschen durch die grandiosesten Künste alles das bringen, was bis dahin nur mit großer Mühe und Anstrengung erworben werden kann an hellseherischem Wissen, wie es hier gemeint ist. Denken Sie sich wie unendlich bequem das sein würde. Die Menschen würden gar nichts zu tun brauchen. Sie würden materialistisch hinleben können und würden sich nicht zu kümmern brauchen um irgendein Geistesstreben. Wenn im richtigen Zeitpunkt Ahriman in der westlichen Welt inkarniert wird, würde er eine große Geheimschule gründen, darin würden die grandiosesten Zauberkünste getrieben werden. Er würde die Menschen in großen Mengen durch Zauberkünste zu Hellsehern machen können.“

Es ist auch unwahrscheinlich, dass Hellsichtigkeit das Ziel des frisch gekürten Twitter- Meisters Donald Trump sein wird. Nichtsdestotrotz sehen Anthroposophen wie die australische Bestseller- Autorin Adriana Koulias in Trump zumindest einen ahrimanischen Vorläufer: „Trump has put people to sleep. Time to wake up and see the damage...but of course many will not want to face up to what they have done - but the important thing is this: he will bring about the right conditions for Ahriman. Ahriman must come. The important thing now is consciousness of who he is, and he will not come from outside of Anthroposophy.

In den Augen der Autorin ist die anthroposophische Kulmination also immerhin zur ahrimanischen verrutscht; der Antichrist muss, wenn schon, denn schon, doch wenigstens Anthroposoph sein. Ob Mr. Trump das weiß? Ob Mr. Antichrist sich an die Anweisungen aus Australien hält? Wir machen für alle Fälle eine Kerze an und meditieren ein paar Mantren.

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Dank an Wolfgang Hier das Video zum oberen Screenshot. Gerhard Schuster, Daniel Schily und Michaela Glöckner zum Thema Europa- Zeitenschicksal und Kulturaufgabe

Mittwoch, 16. November 2016

Warum sitzt der Maitreya- Buddha auf einem Stuhl? Oder: I am not him

Die Frage des Titels, in einem internationalen Facebook - Forum gestellt, hat schon Substanz, auch wenn sie in der entsprechenden anthroposophischen Gruppe auch wieder zu gruppendynamisch spezifischen Spekulationen geführt hat- Fragen, mit denen sich das vergriffene Buch Thomas Meyers „Die Bodhisattvafrage“* ausschließlich beschäftigt hat. Der Maitreya, der „kommende“ Buddha, berührt sowohl in buddhistischen als auch anthroposophischen Zusammenhängen eine Art Vollendung und Heilserwartung. Rudolf Steiner hat sich vor allem in Abgrenzung zu theosophischer Literatur vielfältig zu Bodhisattvas geäußert. So sei Jeschua ben Pandira um 100 bC eine Art Vorbereiter des Christentums gewesen: „So war gewissermaßen Jesus, der Sohn des Pandira, Jeschua ben Pandira, dazu ausersehen, sich von dem Bodhisattva, der der Maitreya Buddha werden wird, und der hineinwirkte in die Essäer-Gemeinden, inspirieren zu lassen zu solchen Lehren, welche das Mysterium des Christus verständlich machen konnten.“ (GA 123.98)

Aber der Maitreya werde - so Steiners Prophezeiung - auch derjenige sein, der den auferstandenen und in geistig- lebendiger Form wirkenden Christus in der Zukunft repräsentieren werde: „Es werden Menschen dazu kommen, den Christus zu schauen in seiner Äthergestalt; sie werden die ätherische Erde schauen, aus der die Pflanzenwelt entsprossen ist. Derjenige, der diese Wissenschaft im höchsten Maße besitzen wird, wird der Maitreya-Buddha sein, der in ungefähr 3000 Jahren kommen wird. Gelingt das nicht, dann würde die Erde in Materialismus versinken und die Menschheit müßte von neuem anfangen, entweder – nach einer großen Katastrophe – auf der Erde selber oder auf einem nächsten Planeten.“ (GA 118.90f)

Es ist deutlich, dass die Figur des Maitreya für Steiner zentral in der esoterisch- anthroposophischen Apokalyptik steht. Es wird in seinen Äußerungen zu diesem Thema auch deutlich, in welchen großen zeitlichen Dimensionen und in welcher Bedeutung er Anthroposophie selbst sieht. Denn so, wie Steiner den „Ätherischen Christus“ Anfang des 20. Jahrhunderts verkündet hat, wird sich in seiner Sicht das Verständnis dafür erst mit dem Erscheinen des Maitreya - also in drei Jahrtausenden - durchsetzen: „So wird die Menschheit immer weiser werden und wird den Christus immer besser erkennen. Sie wird ihn aber erst dann ganz verstehen, wenn der letzte der Bodhisattvas seinen Dienst verrichtet und die Lehre gebracht haben wird, die notwendig ist, um uns zu befähigen, die tiefste Wesenheit des Erdendaseins, den Christus, zu erfassen." (GA 117.145) In diesem Sinne wirke Anthroposophie - in Korrespondenz zum Essäer Jeschua ben Pandira- als „Essäerlehre unserer Zeit“; sie bereite den Maitreya analog zum Wirken Jesu an der Zeitenwende vor: „Und wenn die Essäerlehre in unserer Zeit wieder erneuert werden soll, wenn wir leben wollen, nicht im Geiste einer Tradition von einem alten Bodhisattva, so müssen wir uns eben inspirieren lassen von dem Bodhisattva, der einst der Maitreya Buddha werden wird. Und dieser inspiriert uns so, daß er darauf aufmerksam macht: Die Zeit rückt heran, wo der Christus in neuer Form, in einem ätherischen Leibe, eine Gnade sein wird für diejenigen Menschen, welche durch eine neue Essäerweisheit die neuen Kräfte entwickeln in der Zeit, wo die Wiederkunft des Christus im ätherischen Gewande an die Menschen belebend herantreten wird.“ (GA 123.207f)

Allerdings fasst Steiner das Phänomen, das so okkult bis religiös- apokalyptisch daher kommt, auf eine Weise auf, die zumindest auch warnt vor den „Messiassen“ und der Vergötterung- also vor einer nur spiritualistischen Auffassung: „Gerade so, wie unterschätzt werden die geistigen Individualitäten, so daß sie nicht anerkannt werden, so ist auf der anderen Seite wieder unter den Menschen das lebhafteste Bedürfnis vorhanden zu vergöttern. Sehen Sie sich überall heute die Gemeinden an, die ihre besondere Messiasse haben.“ (GA 123.206) Der Maitreya werde dagegen - so Steiner- dazu fähig sein, unmittelbar so - in gewisser Weise magisch- auf Menschen zu wirken, dass er „imstande sein wird, durch das Wort selbst Gemütsbewegung und Moral in die Seelen zu übertragen.“ (GA 130.136)

Es geht beim Maitreya also nicht mehr nur um Lehre, geschweige denn um Selbst- Vollendung. Er wird in gelungenen klassisch- buddhistischen (vor allem japanischen und koreanischen) Darstellungen nicht im Lotos-Sitz und nicht im Zusammenhang mit der Kundalini- Schlange dargestellt, sondern geradezu grazil sitzend; gelassen, rational auf einem Schemel oder Stuhl- etwa auch in dieser koreanischen Darstellung. Auch wenn er mit rechtem Bein und seinen Armen einen perfekten Kreis - sonnenhaft- bildet, berührt er mit dem linken Bein doch entschlossen die Erde. Seine Haltung mit dem leicht geneigten Kopf erscheint lauschend, aber mit dynamisch nach vorn geneigtem Oberkörper. Symbolisch durch sein Gewand dargestellt, strömt sein Wirken trotz seines leichten Sitzes auf einem ganz normalen Hocker in den Untergrund. Er drückt in diesen Darstellungen, obwohl sie aus dem ersten Jahrtausend stammen, eine sehr moderne Bewusstseinshaltung aus. Der Maitreya scheint dem heutigen Menschen sehr viel näher zu stehen als die klassischen, oft schwerfällig mit dem Lotos verbundenen, mondenhaften Buddha- Figuren. Er hat in seiner grazilen Souveränität auch eine innere Beziehung zur aufrechten Gestalt des Schlangen- Bezwingers Michael. Der Maitreya ist sowohl hingegeben wie souverän, sowohl innerlich wie dynamisch, sowohl erleuchtet wie intellektuell.

Als ob das alles nicht genug wäre, werden im oben genannten Buch von Meyer allerlei Anekdoten von Bemerkungen Rudolf Steiner tradiert, die gewissen Anthroposophen nahe legten, anzunehmen, der Maitreya sei im 20.Jahrhundert als der katholische Anthroposoph Valentin Tomberg inkarniert gewesen. Wie bei Agatha Christi spekulierte man (Who done it?) über zeitliche Angaben Steiners wie „Rittelmeyer said: In August 1921, Dr Steiner said concerning Jeshu ben Pandira: If we live another fifteen years, we shall be able to experience something thereof. Jeshu ben Pandira was born at the beginning of the century.” (nach Walter J. Stein) Oder: „..concerning a supposed statement of Rudolf Steiner. To a question as to how things are with regard to the coming Bodhisattva, Rudolf Steiner is said to have answered: The Bodhisattva was born at the beginning of the century and is looking with interest at the development of the Anthroposophical Society.” (nach Adolf Arenson).

Eifrige Spekulierende sind sogar, wie der Stenograf Steiners (Walter Vegelahn) Meyer persönlich berichtet habe, an Rudolf Steiner heran getreten, um zu fragen, ob er vielleicht selbst der Maitreya sei, was dieser schroff verneinte: „The members were eager to know what Rudolf Steiner really meant as to who he is. They consulted with one another and sent a chosen representative, Günther Wagner, to ask Rudolf Steiner about this. And he received the answer: "I am not him." Following this, on the first evening in Berlin Rudolf Steiner summarized all that had taken place in the preceding months. And he also referred to the lectures in Bern. In so doing, he broke off his description and said with an undertone in his voice, "By the way, I would like to add in parentheses to all those who are ever ready to come up with incarnations in their fantasy, that I – in my individuality – have nothing to do with Jeshu ben Pandira.

Aber Meyer schürt die Spekulation nach dem Mysterium des Meisters des 20. Jahrhunderts zugleich auch, schon im Untertitel des Buchs und durch das etwas fiebrig behandelte ganze Thema. Vor allem Valentin Tomberg ist, obwohl er sich später doch eindeutig und umfassend von Anthroposophie losgesagt hat, nie das Gewicht solcher Zuschreibungen los beworden. In all dem Sensationellen, zu dem bis heute gewisse Autoren gerne ihr Quäntchen hinzufügen, das Rudolf Steiner durch die selbst erzeugte, aufgeladene Apokalyptik auch angeregt hat, ist die Beschäftigung mit dem Maitreya selbst etwas untergegangen. Im Internet behauptet auch ein selbst ernannter „Meister“ nach dem anderen, eben selbst derjenige zu sein. Die Stille und Eleganz, die subtile Intelligenz dessen, der durch das Wort selbst wirken wird, versinkt gegenüber diesem Lärm aber nur vordergründig. Die Schönheit des Maitreya bleibt davon vollkommen unberührt.

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*Ich habe die englische Fassung vorliegen: Thomas H. Meyer - Elisabeth Vreede, The Bodhisattva question - Krishnamurti, Rudolf Steiner, Annie Besagt, Valentin Tomberg, and the Mystery of the Twentieth - Century Master, Temple Lodge, London 1993

Dienstag, 8. November 2016

Laurus oder Über die russische Seele

Ja, mag mancher Leser zunächst sagen, da wird in Evgenij Vodolazkins großem Roman Laurus wieder mal das Klischee bedient: Russische Mythen, wunderbare Wesen, Volksglauben, Frömmigkeit und hingenommenes Leid. Dagegen gibt es einiges einzuwenden.

Zunächst spielt der gerade in deutscher Übersetzung erschienene Roman* des Akademikers (Institut für russische Literatur), Sprachforschers und Deutschlandkenners Vodolazkin tatsächlich im 15. Jahrhundert und beginnt im tiefsten, urtümlichsten Russland. Aber der kräuterkundige Heiler Arseni bewegt sich dann quer durchs Land, durch alle Schichten, Dörfer und Städte, lebt unter den verschiedensten Umständen, um schließlich sogar auf Pilgerschaft bis ins Heilige Land und zurück zu gehen. Man lernt also nicht nur die russische Seele kennen, sondern eine ganze Epoche, gekennzeichnet von immer wieder aufflammenden, verheerenden Pest- Epidemien, aber auch von dieser gewissen Glaubens- Innigkeit. Man merkt im Roman aber auch auf jeder Seite, wie intensiv der Autor die Aspekte des Glaubens, der Lebensumstände, der Medizin und Beziehungen aus Chroniken gewonnen hat. Hier stimmt jedes Detail, selbst dann, wenn es erfunden sein mag. Selbst die Legenden, die Wunder werden ebenso in die Handlung eingebunden wie der unbeschreibliche Dreck, die archaische Moral der Dörfler und das hunderttausendfache Verrecken an den Pestwellen.

Manchmal taucht die Sprache des Romans unversehens und kurz in das Sprachbild der Zeit ein ..“und alle welt lächelte, denn sie glaubeten, er tue gutes.“ Andererseits bezeichnet Vodolazkin seinen Roman selbst als ahistorisch- auch das völlig zu recht. Denn der Erzähler bricht immer wieder mit der Erzählperspektive des späten Mittelalters- in reflektierenden Bemerkungen der Handlungen, die nur aus der Gegenwart stammen können und sogar in Sprüngen in die Perspektive heutiger Archäologen, die gerade Artefakte der damaligen Handlungen ausgraben und betrachten. Der Leser wird also nicht nur eingesogen in eine naive, gefühlige Mittelalterszenerie, sondern immer wieder daran erinnert, dass es sich um ein Patchwork, ein historisches Mosaik handelt. Im Gegensatz zu heutigen Parallelhistorien, die auf politischer Ebene der Verfälschung und Propaganda dienen, wird dabei weder die Historie noch der Erzählrhythmus verfremdet. Die Störung findet statt, um den Leser bewusst und wach zu halten- sie entspricht der modernen Bewusstseinshaltung. Aber zu Beginn mag man sich wundern, wie der kräuterkundige Großvater, bei dem der Junge aufwächst, dazu kommt, sich über die „Intimhygiene“ seiner Zeit auszulassen.

1440 im Kloster des Heiligen Kirill geboren, lernt Arseni schon als kleines Kind beim frommen, etwas schlichten Großvater, unter der Aufsicht des nahen Starez im Kloster und einer Ikone, die auf den Jungen wunderbare Wirkung hat. Er zähmt einen Wolf und lernt nach und nach das Handwerk des Heilens beim Großvater. Nach dessen Tod des Alten - auch das wunderbar, intim und in der innigen Seligkeit dieser Zeit erzählt- tritt der Junge in die Fußstapfen des Alten. Allerdings merkt Arseni bald, dass er das Vermächtnis seines Lehrers nicht nur beherrscht und weiter entwickelt, sondern dass er sich ganz auf die Heilkraft seiner Hände selbst verlassen kann: „Wenn sie den Körper eines Kranken berührten, verloren Arsenis Hände alle Stofflichkeit, sie schienen zu fließen. Etwas von einer Quelle, etwas Kühlendes ging von ihnen aus.“ (S. 61)

Am Grabstein des Alten entdeckt Arseni eine Waise, deren Familie durch die Pest ausgelöscht worden ist und die, wie so Viele, im Schnee zu verhungern droht; Ustina. Arseni versteckt sie in seiner Hütte, während die Bewohner des Dorfs weiterhin zu ihm zur Behandlung kommen. Arseni liest ihr aus dem einzigen vorhandenen Buch - einer Geschichte Alexanders - vor und lehrt sie das Lesen. Allmählich entwickelt sich die Liebesbeziehung zweier vereinsamter junger Menschen. Aber Arseni wagt es nicht, zu Ustina zu stehen. Er besteht darauf, sie selbst dann versteckt zu halten, als sie schwanger wird und ruft auch nicht die Hebamme, als die Geburt zur Katastrophe wird. Der Tod Ustinas wird für Arseni zur Schuld seines Lebens, die er dadurch sühnt, dass er sein Leben nun auf der Wanderschaft als Heiler verbringt- meist auf den Spuren verwüsteter Dörfer und Städte in den Pestzeiten, aber auch als Bettler zwischen Räubern und weisen Narren, oder als Einsiedler in einem Kloster der Stadt Pskow. Im zweiten Teil des Buches wird dann vor allem die abenteuerliche Wallfahrt nach Jerusalem geschildert.

So erfährt man auf denkbar spannende und klug inszenierte Art und Weise von der Zeit, vom Empfinden und Denken einer Epoche, aber letztlich auch - ironisch gebrochen - vom russischen Seelenleben: „Ich höre, ihr redet vom Tod, sagte er. Ihr Russen redet immer gerne vom Tod. Deshalb schafft ihr es auch nicht, euch im Leben richtig einzurichten.

Am Ende zieht - als Abschluss einer eigenartigen Heiligenlegende- der inzwischen Laurus genannte Arseni in die Öde der Wälder, um in einer Höhle zu sterben. Aber auch hier zieht wieder eine junge Frau zum Alten, da sie von ihrem Dorf als Hexe hingerichtet werden soll. Der wundersame Laurus rettet die schwangere Anastasia, wozu auch verstorbene Stareze und eine ebenso wundersame Brotvermehrung beitragen. Aber bevor es zu naiv und mittelalterlich wird, erweist sich Anastasia plötzlich als moderne, kritische Russin, die beim Verlesen der Alexandererzählungen ironisch bemerkt: „Was für ein seltsames Leben Alexander hatte. Was war sein historischer Zweck?

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*Evgenij Vodolazkin, Laurus, Zürich 2016

Sonntag, 6. November 2016

»... und mehr bedarfs nicht.« II

Ingrid Haselberger

Inmitten der Apokalypse now, die wir derzeit erleben, habe ich in den letzten Wochen in Wien einige großartige Aufführungen zeitgenössischen Musiktheaters erlebt. Eine bewegende Eurythmieaufführung fügte sich gestern in mir mit diesen Erlebnissen zu einem Ganzen.

Zunächst Textausschnitte aus zwei Opern (man könnte den Eindruck gewinnen, wir seien dazu verurteilt, die Geschichte immer und immer wieder zu wiederholen...):

Der in Wien geborene Ernst Krenek emigrierte 1938, nach dem Anschluß Österreich an das nationalsozialistische Deutschland, in die USA. Seine Oper Pallas Athene weint spielt zur Zeit des Peloponnesischen Krieges. Im demokratischen Athen treffen drei Schüler des Sokrates aufeinander: der skrupellose Populist und glänzende Feldherr, der geschickte Intrigant und der naive Pazifist. Jeder der drei interpretiert (man könnte auch sagen: mißdeutet) die empfangenen Lehren auf seine Weise... und die Bürger Athens sind »knetbar, auf ihren Gefühlen wird gespielt wie auf einer Harfe«.
Der Untergang Athens ist unvermeidlich, die geistige Gegenwartsnähe unheimlich (die Oper entstand 1955, zehn Jahre nach dem 2. Weltkrieg und gegen Ende der McCarthy-Ära), damals wie heute...

PALLAS ATHENE WEINT (1955)
Text und Musik von Ernst Krenek

Ende des 1. Aktes:
Sokrates:
In Freiheit entzweit – sind wir machtlos.
In Zwang geeint – sind wir sinnlos.
Sinn ohne Zwang – wann scheint dein Licht durch unsere Nacht?
Mitte des 2. Aktes:
Dialog zwischen Sokrates und Agis, dem König von Sparta, der ihn höhnisch auffordert, ihn seine berühmte Weisheit zu lehren:
S: Ich kann dich nicht belehren, Freund, denn alles, was ich weiß, ist, daß ich nichts weiß.
A: Hoho! So tiefe Weisheit kann ich mir nicht gestatten: mir genügt, daß ich weiß, was der Welt nottut.
S: So lehre mich, was der Welt nottut.
A: Ordnung, vor allem Ordnung.
S: Und warum, o Freund, muß Ordnung sein?
A: Ordnung muß sein, damit Friede sei.
S: Und warum führst du dann Krieg?
A: Um Ordnung zu schaffen.
S: Du schaffst nicht Ordnung, nur Gefahr.
A: Gefahr macht stark.
S: Gefahr schafft Angst.
A: Wer Angst hat, hält Ordnung.

* * *

Der Fernsehfilm Staatsoperette von Otto M. Zykan und Franz Novotny verursachte Ende Oktober 1977 einen handfesten Skandal – Bombendrohung gegen den ORF inklusive. Das Thema: Der Austrofaschismus der 30er Jahre  (Bundeskanzler Prälat Ignaz Seipel) – die österreichische Zwischenkriegszeit bis zum „Anschluß“.
In der bald vierzig Jahre danach realisierten Bühnenfassung agierten die Darsteller sowohl als Singschauspieler als auch als Puppenspieler (Puppen: Nikolaus Habjan). Und jedesmal, wenn die Puppe in den Vordergrund trat, hatte man den Eindruck: jetzt erst zeigt der jeweilige Politiker sein wahres Gesicht... 
Eingerahmt wird das Geschehen von zwei Frauengestalten aus dem Volk, die jeweils die Ansichten und Sorgen der „Rechten“ und der „Linken“ ins Spiel bringen. 
Beklemmend, erschreckend... auch, weil die Darsteller einige Gelegenheit zum Extemporieren haben...
Skandal? Nicht die Spur. So katholisch ist Österreich längst nicht mehr
(in der an die Ausstrahlung des Fernsehfilms anschließenden Club2-Diskussion fiel damals der Satz: »Es wäre niemals möglich in einem mohammedanischen Land, mit Zitaten des Herrn Mohammed, bitte, eine Staatsoperette zu machen!«).

Nachdenkliche Gesichter, begeisterter Applaus – und danach geht man wohl zur Tagesordnung über...

STAATSOPERETTE – DIE AUSTROTRAGÖDIE 
Text und Musik: Otto M Zykan
(1977 Film von Franz Novotny; 
2015 Bühnenfassung von Michael Mautner und Irene Suchy)



EPILOG

Duett mit Chor

DIE LINKE:
Heut, sagen manche Leut, wär's Zeit, beieinander z'stehn,
denn wenn's so weitergeht, sag'n manche Leut,
könnt die Welt dabei untergehn, könnt dabei untergehn.
Heut, sag'n manche Leut, wird sich's zeigen,
wohin ma wollen,
denn wenn's so weitergeht, sag'n manche Leut,
könnt uns morgen schon der Teufel hol'n,
könnt uns der Teufel hol'n.
Dann ist's sicher z'spät.
Wenn euch die Reu' überkommt,
dann könnts euch hamdrahn,
dann wird's euch owezahn,
hauts eure Schädeln nur ein,
's wird sicher net schad drum sein.

DIE RECHTE:
Sah ein Knab ein Röslein stehn
Röslein auf der Heiden
War so jung und morgenschön
Lief er schnell, es anzusehn
Röslein, Röslein, Röslein rot.

ENTFERNTE STIMMEN (Chor):
Wir beherrschen,
wir besiegen alles, alles in der Welt.
Für das Vaterland, für das Vaterland.
Für unser Vaterland.

DIE LINKE: 
Denn wenn's so weitergeht, sag'n manche Leut,
ist der Gspaß vorbei, kommt a böse Zeit, 
die sicher niemand freut.

(mit Hall)
ROT-WEISS-ROT BIS IN DEN TOD??

DIE LINKE UND DIE RECHTE:
Röslein auf der Heiden

ENTFERNTE STIMMEN:
sind wir alle heut entbrannt.

ENDE

* * *
 
Mein schmerzlicher Eindruck nach diesen Aufführungen, in Zusammenhang mit den tagesaktuellen Nachrichten: es kann sein, daß uns noch eine ganze Weile lang nichts anderes übrigbleiben wird, als dabei zuzusehen (und mitzuwirken!), wie die Geschichte sich wiederholt... und gleichzeitig bin ich froh, in einer Zeit zu leben, in der solche Opern entstehen und aufgeführt werden!


Gestern nun gastierte das Stuttgarter Else-Klink-Ensemble in Wien, mit einer dramatischen Eurythmie-Komposition zum Thema Verrat und Gewissen.

DAS RÄTSEL DES JUDAS
Künstlerische Leitung: Benedikt Zweifel

Im Programmheft heißt es:
Unser aktuelles Programm kann besonders in der gegenwärtigen Weltlage als eine existentielle Frage erlebt werden, als eine, die uns alle betrifft: Judas der Verräter. Im Grunde genommen lebt heute Judas in uns allen. Judas ist der heutige Mensch. Wir werden täglich zum Verräter an unserer Umwelt, an unseren Mitmenschen, an uns selbst.Verrat entsteht durch Gewissenlosigkeit. Die Erweckung des Gewissens in uns ist die Heilung des Judas! 
Die – wie aus einem Guß wirkende – eurythmisierte Collage aus Texten und Musik beginnt mit Musik von Isabella Arazian und Maria Pitea und dem Gedicht Landschaft aus Schreien von Nelly Sachs.
Ich fühle mich in den Kosmos hinausgetragen: die Planeten selbst sind es, die schreien, ausweglos, in alle Ewigkeit...

Es folgt eine Szene, die mich an den „Prolog im Himmel“ aus Goethes Faust denken läßt:
Der Satan wettet mit dem Christus: wird Judas dem Satan die Treue halten, selbst wenn dieser ihn einige Zeit lang auf Erden so weit losläßt, daß er dem Christus folgen kann?

Gethsemane: Der einsame Christus von Christian Morgenstern.
Verrat des Judas und Jesu Gefangennahme.
Judas allein. Der Versucher (Luzifer) tritt an ihn heran und verspricht ihm alle Reiche dieser Erde – da erst begreift Judas Christi Wort: Mein Reich ist nicht von dieser Welt - - - sein Gewissen erwacht, seine Verzweiflung ist groß.

Im Kosmos spottet der Satan zunächst des auferstandenen Christus:
Ich habe meinen Feind überschätzt. Lerne denn abermals, Himmelsfürst: Wäre mir verstattet, in eigener Person zur Erde zurückzukehren, nicht auf dreißig Jahre, sondern auf dreißig Stunden – ich machte alle Menschen mir anhangen, und alle Versuchungen des Himmels könnten auch nicht einen einzigen bewegen, mich zu verraten...
Doch Judas bleibt aus, der Satan wird ungeduldig und unsicher...
Als Judas schließlich erscheint, schweigt er.
Da ruft der Satan aus (wieder aus Thornton Wilders „Hast du nicht achtgehabt auf meinen Knecht Hiob?“):
Was haben sie dir getan, mein vielgeliebter Sohn? Welche letzte, armselige Rache haben sie an dir versucht? Komm zu mir! Hier ist Trost für dich. Hier kann all diese Gewalttätigkeit wiedergutgemacht werden. Der vergebliche Haß des Himmels kann dich hier nicht erreichen. - Aber warum sprichst du nicht zu mir? Mein Sohn, mein Kleinod!
Doch als Judas schließlich Worte findet, ist es ein Fluch, den er gegen den Satan schleudert... und der Satan muß weichen.

Nach der eurythmischen Dramatisierung der von Ursula Ostermai und Rüdiger Fischer-Dorp eindringlich gestalteten Texte erklang die 10. Klaviersonate von Alexander Skriabin.
Für mich schließt sich damit der Bogen zum Beginn mit den schreienden Planeten:
Wieder fühle ich mich in den Kosmos hinausversetzt.
Doch nun „schreien“ die Planeten nicht mehr – sie bewegen sich in einer unbeschreiblichen „Himmelsharmonie“, die nicht nur in der Musik und in den Bewegungen auf der Bühne, sondern nun auch in meinem Herzen waltet.

Besonders berührt es mich, daß die Darsteller des Judas, des Satan und des Christus nun Teil des Eurythmie-Ensembles sind. Sie haben sich von den Persönlichkeiten, in denen sie in erdgebundenen Zusammenhängen verkörpert waren, gelöst – und mir wird bewußt, wie sie alle mitgewirkt haben an der großen Aufgabe der Verwandlung. Die Erde allein ist der Ort, an dem diese Verwandlung geschehen kann!

Und ich fühle, daß ich nicht nur Judas, sondern auch den Satan und den Christus in mir trage. Meine eigene Seele ist der Ort, an dem diese Mächte im Kampf miteinander liegen...

Und ich denke – wieder – an die Worte, mit denen Konrad Paul Liessmann seine Rede zur Eröffnung der diesjährigen Salzburger Festspiele geschlossen hat:
Vielleicht leben wir in den kostbaren Augenblicken, da wir solch einem Gelingen beiwohnen dürfen, vielleicht sogar dazu etwas beitragen können, nicht wie Götter; aber wir leben – endlich – einmal so, wie Menschen leben sollten.
Und mehr bedarf's nicht.